Rezension Meridian 3/92 53
von Ulrike Voltmer
Wilfried Krüger „Die Atom-Harmonik“,
Der Auftakt einer neuen Forschung,
3.Auflage, S.144, Trier 1996, ISBN 3-9801669-2-9, € 13,00.
Wilfried Krüger „Das Universum singt“,
Atome offenbaren das kosmische Geheimnis der Musik,
5.Aufl., S.260, Trier 1997, ISBN 3-9801669-3-7, € 19,00.
Das zuerst genannte Buch, bestehend aus mehreren Vorträgen, ist zwar später entstanden als „Das Universum singt“, doch es ist leichter zu verstehen. Es besteht aus mehreren in sich geschlossenen Vorträgen, durch die man von verschiedenen Seiten in die Thematik „Atom-Harmonik“ eingeführt wird. Dabei handelt es sich um eine Jahrzehnte lange Forschungsarbeit Wilfried Krügers, die Vorkenntnisse erfordert, will man sie nachvollziehen – und das in so unterschiedlichen Gebieten wie die Harmonielehre der Musik, sogar der historischen Veränderungen der musikalischen Harmonielehre, und der Atomphysik. Die Forschungen Krügers zeigen die Vorteile, die im interdisziplinären Forschen oder Denken stecken. Wer besitzt schon gleichermaßen Fachkenntnisse in beiden Gebieten, die es erst ermöglichen können, Krügers Forschungen nachzuprüfen? Das wäre gradezu die Voraussetzung, dass Krügers Arbeit Anerkennung finden könnte. Krügers Forschungsarbeit birgt eine solche Fülle an neuen Wegen, gerade auch für die Astrologie und ihre zentralen Fragen, dass man nur hoffen kann, dass sich Menschen finden werden, die Krügers Ansatz verstehen, in Bezug zur Astrologie bringen und darauf aufbauen.
Für mich ist beispielsweise die Frage nach der „Speicherung“ von Planetenkonstellationen im Menschen von eminenter Bedeutung.
Offensichtlich gehen wir ja in der Astrologie davon aus, dass exakte Planeten- und Achsen-Tierkreisstellungen zur Zeit der Geburt „irgendwo“ im Menschen festgehalten sind – sonst könnte es wohl nicht die Technik der Transite in der Astrologie geben. Es könnte möglich sein, dass uns der Ansatz Krügers hier einen Weg weist. Krüger zeigt uns in seinem Buch „Das Universum singt“, dass harmonikale Strukturen der Musik, also Schwingungsverhältnisse und Proportionen, in ebensolchen Gesetzmäßigkeiten im Atomaufbau vorhanden sind, im Aufbau des Atomkerns wie auch der Elektronen – in ihren Paarungen, Orbitalen, den Eigendrehimpulsen, den „spins“ usw. Dies in einer ganz detailierten Weise und fundamental auffindbar – durch das ganze periodische System hindurch – in Übereinstimmung mit unserer Musik gerade bei den Elementen und Molekularverbindungen, auf denen die organische Chemie aufbaut: Kohlenstoff, Sauerstoff, den Verbindungen der Aminosäuren und Nukleinsäuren; überwältigend mutet uns an, welche harmonikale Verhältnisse in der DNS zu finden sind, unseren genetischen Informationsträgern. Die mikrophysikalische Welt verhält sich anders als die makrophysikalische. Doch für uns Astrologen/innen könnte interessant sein, ob sich nicht makrophysikalische Vorgänge über die „Atomharmonik“ auf unsere irdische Welt übertragen könnten, ist doch das gesamte Universum auf der Basis kleinster Teilchen, Atome, Photonen aufgebaut.
Krüger vermutet, dass die Ozonschicht und die physikalischen Vorgänge im Ozonmolekül mitverantwortlich sein könnten bei der Übertragung kosmischer – auch solarer – Informationen auf uns Menschen.
Unsere Musik, oder besser das Musikerlebnis, das auf einer sehr komplizierten Harmonielehre aufbaut, die bisher nicht in natürlichen physikalischen Vorgängen begründbar erschien, könnte uns Einsichten in die Funktionsweise unseres „Geistig-Seelischen“ geben. Oder anders herum: Die Physik konnte uns bisher nicht zeigen, warum die Musik, so wie sie aufgebaut ist, auf unser Gemüt wirkt, also emotional, psychologisch Einfluss nimmt - dass die Musik wirkt, erleben wir alle. Physikalisch war noch nicht einmal klar, auf welchen physikalischen Phänomenen sie überhaupt aufbaut. Die Obertonlehre ist bei weitem keine ausreichende Erklärung für den harmonikalen Aufbau der Musik. Die Musik ist nämlich gerade nicht in ihrem funktionalen Zusammenhang von der Obertonreihe her zu erklären, man denke einmal an die Gesetze der Modulation, also das Wechseln von einer in eine andere Tonart.
Krüger zeigt, dass im Atomaufbau analoge Verhältnisse und Proportionen vorliegen wie in den Harmoniegesetzen der Musik.
Vielleicht hat sich gerade unsere Art Harmonielehre herausbilden können, weil der „Urgrund der Dinge“ in der Art der Strukturgesetze oder auch „Klanggesetze“ der Atome liegt. Bei Krüger haben wir es mit der Mikrophysik zu tun, nicht mit dem Makrokosmos. Doch unser gesamtes Universum ist aus diesen kleinsten Teilchen aufgebaut, das Kleine ist also im Großen enthalten. Möglich ist, dass die Musik geradezu in einer Mittelstellung zwischen Makro- und Mikrokosmos steht und eine Art Offenbarung der seelischen Konsequenzen ist, die an Schwingungs- oder Wellenverhältnisse geknüpft sind. Vielleicht offenbart uns die Musik die Erlebnis-Ebene der Physik, die seelisch-geistige Seite der physikalischen Pänomene.
Ulrike Voltmer
Die Autorin Ulrike Voltmer studierte an namhaften Musikhochschulen Klavier und Gesang. U.a. war sie viermal 1.Preisträgerin im Wettbewerb Jugend musiziert. In Ihre Jugend zurück reicht auch die Beschäftigung mit der Astrologie, deren Studien ihre Konzerttätigkeit (u.a. Tierkreis für Sopran von K.-H.Stockhausen) begleiten, deren Erkenntnisse ihr, wie sie sagt, ohne praktisches Muizieren verschlossen geblieben wären. Sie ist geprüfte Astrologin DAV, daselbst Mitglied der Prüfungskommiission und trat mit Vorträgen, Fachartikeln und einem ersten astrologischen Lehrfilm (zusammen mit ihrem Mann Manfred Voltmer) an die Öffentlichkeit. Sie schrieb die Bücher „Gestaltastrologie“, „Lebendige Astrologie“ und „Rhythmische Astrologie“. In dem Buch „Astrologie & Medizin“ ist sie Herausgeberin mit eigenen fesselnden Beiträgen.
Fundamentale Erkenntnis
Wilfried Krüger „Die Atom-Harmonik“, 112 S., Trier 1988.
Dieses Buch läßt uns ganz teilhaben an der Arbeit, an der Entwicklung der Ideen dieses einmaligen Forschers, an den gelungenen ebenso wie an den fehlgeschlagenen Entwicklungsschritten seiner fundamentalen Erkenntnis: Der Aufbau der Musik in Tonleitern und Akkorden ist identisch mit dem Aufbau der Atome und Moleküle! Damit wird nicht nur unser (subjektives) Musikempfinden, sondern eben gerade der (objektive) Aufbau musikalischer Harmonie auf mikrokosmische Gegebenheiten zurückgeführt, auf Quantenzahlen und Erhaltungssätze, die bestimmend für den Aufbau unseres Universums sind. Bereits 1967 entdeckte Krüger, dass das Sauerstoffatom mit seinen acht Protonen im Kern in der Struktur unserer Dur-Tonleiter schwingt. Schon dies war eine fundamentale Neuerung, denn noch nie war eine Tonleiter atomphysikalisch erklärt worden. Noch bedeutsamer war aber, dass Krüger im Jahre 1970 den atomphysikalischen Schlüssel fand, um auch alle Moll-Tonleitern mit der Struktur von nur vier in einem Molekül miteinander verbundenen Sauerstoffatomen detailgenau physikalisch aufzuklären. Dieser „Moll-Erklärung“ Krügers gebührt eine zentrale Stellung in der Harmonielehre, denn bisher hatte das Phänomen Moll allen physikalischen Erklärungs- und Deutungsversuchen widerstanden.
Beachtlich in diesem Zusammenhang ist auch die Entdeckung Krügers, dass sich die zur „Moll-Erklärung“ heranzuziehende Sauerstoffatome harmonikal am besten in der Tetraktys des Pythagoras miteinander verbinden lassen. Auch dies ist ein Beispiel dafür, dass es Krüger mit seiner Entdeckung letztlich gelungen ist, die von Pythagoras erahnte „Sphären-Musik“ in den kugelsymmetrischen Orbitalen der Atome wiederzu-finden. Krügers Mutterterz f’-d’, in vielen Sprechchören wiederholt, bekräftigt seine „Sphären-Entdeckung“. Auch der Bezug zu Johannes Kepler, der wesentlich an der Entstehung unserer Dur-Moll-Musik beteiligt war, wird deutlich. Keplers Dur-Moll-Skala auf G ist bei Krüger das basisgleiche Dur-Moll auf der Quinte der C-Dur-Tetraktys.
Illustriert hat Krüger sein zweites Buch mit Skizzen seiner Tonleiter-Funde und einigen Schwarzweiß-Ablichtungen seiner Aquarelle, die Krüger in der Tradition Max Pechstein gemalt hat. Alle Aquarelle haben einen Bezug zu seinen Forschungsergebnissen. Seine Bilder wollen für die „Atom-Harmonik“ werben.
Insgesamt ist Krügers Buch „Die Atom-Harmonik“ auch ein „Grundlagenwert“, auf den aufgebaut werden kann und sollte. Denn die Erkenntnisse der „Atom-Harmonik“ können noch für viele andere Lebensbereiche fruchtbar gemacht werden. Und demjenigen, für den die philosophischen Implikationen von Krügers „Atom-Harmonik“ ein Zuviel an Harmonie darstellen, dem kann - in Abwandlung von Krügers eigenen Worten - geantwortet werden: „Die in der Natur anzutreffende durchgehende Harmonie vom Allerkleinsten bis zum Allergrößten schließt die Freiheit nicht aus, sondern ermöglicht sie wahrscheinlich erst.“
Dr. Wolfram Försterling, Oberhausen /Rhld.
MITTEILUNGEN Nr.45,November 2000 von Johannes Gruntz-Stoll
Von Atomen, Farben, Klängen und Sternen - Synästhetische Spekulationen und atomharmonikale Variationen
Wilfried Krüger „Das Nadelöhr der Farben und Töne“,
Neue Entdeckungen im Zwölferkreis der Atome,
1..Aufl. S.196, Trier 2000, 3-9801669-4-5, € 19,00.
Nach dem 1977 erschienenen und inzwischen bereits zum fünften Mal aufgelegten Buch „Das Universum singt“ und dem zweiten, erstmals 1985 veröffentlichten und gegenwärtig in dritter Auflage erhältlichen Werk über „Die Atom-Harmonik“ tritt Wilfried Krüger mit einer weiteren Schrift an die Öffentlichkeit, die wie die Vorgänger im Verlag des Verfassers erscheint: Zunächst mit dem Titel „Farben und Töne im Atom“ zur Publikation vorgesehen, hat das Buch nach einem Gespräch mit seiner Frau einen anderen Titel erhalten, der auf das biblische Wort vom Nadelöhr Bezug nimmt: Hier wird „eine Dialektik deutlich, die aus Kleinem etwas Großes gewinnt und bei den Fragen nach der Transzendenz das Winzige nichts links liegen lässt, sondern besonders beachtet. Wie winzig sind Elementarteilchen? Wie wenig sagt uns ein einzelner Ton oder auch nur eine einzelne Farbe?“ Um Farben und Klänge der Atome und Elementarteilchen geht es denn auch in den Texten und auf den Schautafeln, welche freilich an die Geduld und Ausdauer, an das Denkvermögen und die Verständniskunst der Leserinnen und Leser nicht gerade geringe Ansprüche stellen.
Denn hier werden zwischen Gestirnen und Atomen, zwischen Farben und Klängen, zwischen Worten und Zeichen Verbindungen hergestellt, dass einem Hören und Sehen vergehen und dabei auch noch schwindelig werden kann: Dass der Autor wohl Faszinierendes zu berichten und Interessantes zu sagen hat, steht außer Zweifel; nur scheinen ihm die begrenzten Fähigkeiten und Möglichkeiten seiner Leserinnen und Leser nebensächlich und unwichtig zu sein, so groß ist seine Begeisterung für die Einsichten und Erkenntnisse, die er mitzuteilen versucht: Da ist etwa von den „Farben und Tönen im Zwölferkreis der Atome“ die Rede, vom Trigon-Aspekt im Ozonmolekül“ oder von „Schrödingers Katze auf dem Bahnsteig der Quinte“; berichtet wird auch über „Alkanan und die Farbe Violett“ oder von „Kafkas Schloss und dem Schlüssel Atom-Harmonik“, und alles in aufklärerischer, belehrender Absicht; denn die „Atom-Harmonik klärt auf durch Hören, Schauen, Zählen, Denken und Fühlen – Fühlen, Denken, Zählen, Schauen und Hören“. Dies lässt sich durchaus mit der von Pythagoras begründeten Harmonik vereinen, auch wenn manche Passagen des Buches esoterischen Charakter zu besitzen scheinen.
Während sich im Innern des Buches eine Reihe von Diagrammen und Illustrationen finden, welche die Textabschnitte ergänzen, gibt der Umschlag zwei Aquarelle des Autors wieder: Beide Bilder sind im Januar dieses Jahres entstanden und mit einem schwarzen Fußabdruck signiert, mit welchem Wilfried Krüger auf den Seher Melampus Bezug nimmt und seine „Verbindung mit Mutter Erde und Mutter Materie“ anzeigt. Schade nur, dass sich über die Person, den Lebenslauf und den Bildungsgang des malenden und schreibenden Atom-Harmonikers im Buch keine Angaben finden lassen; denn vielleicht gäbe es hier einen Zugang zu den teilweise schwer verständlichen und nicht ohne weiteres nachvollziehbaren synästheitischen Spekulationen und atomharmonikalen Variationen für interessierte Leserinnen bzw. den irritierten Rezensenten.
Autor: Gruntz-Stoll schrieb das Buch „Einfach verflixt verflixt einfach“ Dortmund 1997.
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